„KLANGFARBEN“, die neue Konzertreihe im Move & Dance Center Coburg(22.02.2020)

„KLANGFARBEN“, die neue Konzertreihe im Move & Dance Center Coburg(22.02.2020)

„Wenn die stimme durch die Epochen tanzt“(Neue Presse Coburg, 24.02.2020)

„Klangfarben“ im Ballettsaal: Danielle Cîmpean und Gotthard Heinzel haben die neue Konzertreihe im „Move & Dance Center“ eröffnet.

Von Gisela M. Paul

Coburg – Coburger Tanzschülern jeglichen Alters ist das Move & Dance Center ein Begriff, neuerdings soll es ab und zu auch Konzertpublikum anlocken. Den Auftakt machte am Samstagabend eine kleine feine Soiree. Die 1995 geborene Sängerin Danielle Cîmpean hat 2017 in Nürnberg ihr Musikstudium mit Schwerpunkt Pädagogik begonnen, ist 2019 nach Bamberg gewechselt, wo sie sich auch mit Komposition befasst. Solistich und im Ensemble kann man sie als Sängerin und Pianistin erleben.

Das Tanzstudio ihres Vaters, das kurzerhand in einen Konzertsaal verwandelt worden war, nutzten Danielle und Pianist Gotthard Heinzel aus Bayreuth, mit dem sie seit 2019 gemeinsam auftritt, um Lieder und Arien aus den verschiedensten Epochen vorzutragen. Die Auswahl unter dem Motto „Klangfarben“ (im dritten gemeinsamen Konzert als Duo) war nach eigenem Bekunden einem einzigen Kriterium unterworfen: „alles, was uns am meisten Freude bereitet“.

Das es ihr Freude macht, merkte man der Sängerin an, denn sie ging – mit jeweils kleiner Moderation – jedes Stück in ihrem ganz persönlichen Art an: Strophenlieder wie „Die Prinzessin“ von Edvard Grieg, das bekannte „Lachen und Weinen“ von Schubert aber auch Claude Debussys zauberhaftes „Beau Soir“, dessen Text vom Freund der Sängerin in deutscher Übersetzung vorgetragen wurde – als Verständnishilfe für die gut 30 Zuhörer bestens geeignet. Robert Schumanns „Seit ich ihn gesehe“ aus „Frauenliebe und -leben“ erfuhr eine Stimmige Interpretation durch die junge Sängerin, deren klare, direkte und intonationssichere Stimme auch in der Tiefe Fülle aufzuweisen hat. Schuberts „Auf dem Wasser zu singen“ in gemäßigtem Tempo war Beispiel für beste Atemführung. Begleiter Gotthard Heizel hielt sich am vielleicht nicht ganz konzerttauglichen Klavier dynamisch vornehm zurück.

Dem recht kurzen ersten folgte ein etwas lägerer zweiter Teil. Waren Gestik und Mimik zuvor sparsam eingesezt, erlaubte sich Danielle Cîmpean nun mehr Freiheiten und deutete im „Vergeblichen Ständchen“ von Johannes Brahms den verliebten jungen Mann und die Angebetete, die ersteren ungeküsst nach Hause schickt, gestisch bestens an. Als lebenslustige junge Dame in Hugo Wolfs launigem „Ich hab in Penna einen liebsten wohnen“ zählt sie am Schluss kess an den Fingern ab, an wie viele Liebhaber sie sich erinnert.

Nach solch bewegten Stücken erklang quasi als Ruhepunkt das barocke „Music for a while“ von Henry Purcell – hier im Gegensatz zu vielen bekannten Interpretationen in recht flüssigem Tempo. Einem verträumten Chanson von Reynaldo Hahn, in der Verse sich Flügel wünschen, folgte noch einmal Edvard Grieg mit seinem ins Dramatische gesteigerten „Traum“.

Auch Operette und Oper fehlten nicht: der Jugend der Sängerin bestens angepasst war die Rolle der Adelle aus der „Fledermaus“. Als Herr Marquis musste der Freund „herhalten“ und sie geigte ihm in flüssigen Koloraturen die Meinung: hatte er sie doch – unverschämt! – mit einer Zoffe verwechselt!

Zum Schluss gab es noch etwas ganz Besonderes zu erleben: solange sie gut „aufgezogen“ ist, singt Jacques Offenbachs automatische Puppe Olympia in Hoffmanns Erzählungen die tollsten Melismen, Koloraturen, Staccati und Spitzentöne, doch wenn die Uhrfeder abgelaufen ist, muss ein großer Schlüssel sie wieder gangbar machen. Freund Arno war hier zweimal für manuelle Tätigkeit gefragt.

In wunderbar stimmigen „Choreografie“ stellte Danielle stellte Danielle die Illusion des Puppenautomaten mit eckig einrastenden, der Musik angepassten, doch niemals übertriebenen Bewegungen völlig glaubhaft her, behielt dabei stets den musikalischen Faden im Auge. Chapeu, kann man da nur sagen!

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